Veröffentlicht am 8. Oktober 2026
Studienabbruch: Wie häufig er ist, woran es liegt und warum oft ein zweiter Anlauf folgt
Zahlen aus Deutschland und dem Kanton Zürich zum Studienabbruch, Unterschiede nach Fach und Hochschule, und wie du Fehlstart und falsches Studium unterscheidest.
Das Wintersemester hat gerade begonnen, und bei manchen kommen in den ersten Wochen Zweifel auf: Ist das wirklich das richtige Studium? Wenn du dich das fragst, bist du damit nicht allein. Dieser Artikel zeigt, was die verfügbaren Zahlen über Studienabbruch, Wechsel und Neuanfang sagen, und wie du deine eigene Lage ruhig einschätzen kannst.
Vorweg zur Datenlage: Die Zahlen stammen aus Deutschland und aus dem Kanton Zürich, und sie sind nicht ganz aktuell. Die deutschen Werte stammen aus einer Studie von 2022, die Schweizer Werte betreffen Studierende, die 2012–14 begonnen haben. Für Österreich konnten wir keine gesicherten Zahlen überprüfen. Die deutschen und Schweizer Werte lassen sich deshalb nicht auf Österreich übertragen.
Deutschland: Was das DZHW gemessen hat
Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hat im August 2022 seine Abbruchquoten veröffentlicht. Von den Bachelorstudierenden, die 2016/17 angefangen haben, haben 28% das Studium ohne Abschluss verlassen. Der Wert berücksichtigt die längeren Studienzeiten wegen Covid und passt zu den 27%, die zwei Jahre zuvor berechnet wurden. Im Master lag die Quote bei 21% für alle, die 2018 begonnen haben. Die Quote gilt für Studierende mit deutscher Staatsbürgerschaft. Die Details stehen in der Medienmitteilung des DZHW.
Der Unterschied zwischen den Hochschultypen ist gross. An Universitäten brachen 35% der Bachelorstudierenden ab, an Fachhochschulen (in Deutschland HAW genannt) 20%. Laut DZHW liegt der tiefere Wert an den HAW vor allem an einer anderen Fächermischung, zum Teil aber auch an bestimmten Bedingungen dort.
Das Fach macht den grössten Unterschied
Innerhalb der Universitäten streuen die Quoten je nach Fächergruppe noch stärker:
- Geisteswissenschaften: 49%
- Mathematik und Naturwissenschaften: 50%
- Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: 21%
- Lehramt: 10%
An den HAW lagen Mathematik und Naturwissenschaften bei 39%, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bei 13%.
Das heisst nicht, dass Mathematik oder Physik die falsche Wahl wären und Recht oder Lehramt eine sichere. Die Zahlen zeigen, dass Studiengang und Hochschule den Verlauf des ersten Jahres stark prägen. Ob du «gut genug» bist, lässt sich daraus nicht ablesen.
Schweiz: Oft folgt ein zweiter Anlauf
Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich hat auf Basis von Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) Studierende ausgewertet, die 2012–14 ins Studium eingetreten sind und fünf Jahre lang beobachtet wurden, mit Daten bis 2019. Drei Viertel der Bachelorstudierenden erreichten innert fünf Jahren einen Abschluss. Von den übrigen verliess die Hälfte das Studium ohne Abschluss, die andere Hälfte studierte nach fünf Jahren noch.
An den Zürcher Hochschulen brachen 13% der Bachelorstudierenden ab, an den übrigen Schweizer Hochschulen 17%. Der Bericht betrifft Zürcher Institutionen, der Wert von 13% ist also keine Zahl für die ganze Schweiz.
Für dich besonders interessant: Vier von zehn Personen, die abgebrochen hatten, begannen innert vier Jahren erneut ein Studium, meist an einer anderen Hochschule. Der Bericht hält ausserdem fest, dass die soziale Herkunft die Wahl von Fach und Hochschule beeinflusst, ebenso die Finanzierung und das Zeitbudget. Die Daten stammen aus der Zeit vor Covid, und der Bericht vermutet, dass sich die Bedingungen während der Pandemie eher verschlechtert haben. Den ganzen Bericht findest du auf der Website des Kantons Zürich.
Warum du die Länder nicht vergleichen kannst
Das DZHW und das BFS arbeiten mit unterschiedlichen Jahrgängen und Methoden. 28% in Deutschland und 13% in Zürich messen nicht dasselbe, deshalb taugt der Vergleich nicht.
Ausserdem zählt eine Abbruchstatistik alle, die ohne Abschluss gehen. Sie unterscheidet nicht, ob jemand für ein besseres Studium oder eine Stelle gegangen ist oder ob er aufgegeben hat. Wer das Fach wechselt, kann in den Zahlen als Abbrecher erscheinen, obwohl die Geschichte gut ausgeht.
Fehlstart oder falsches Studium?
Die Zahlen sind kein persönlicher Risikowert, und sie sagen nichts darüber, was dir passiert. Sie legen aber ein paar Fragen nahe, die du dir stellen kannst:
- Liegen die Schwierigkeiten in den ersten Wochen eher am Arbeitspensum und am neuen Alltag oder an den Inhalten selbst?
- Interessiert dich das Fach noch, wenn du den Hörsaal verlassen hast?
- Würde dasselbe Fach an einer anderen Hochschule das Problem lösen?
- Sind Geld, Zeit oder Wohnsituation das eigentliche Problem?
Wenn du die ersten beiden Fragen eher mit Ja beantwortest, steckst du vermutlich in einem schwierigen Start. Wenn dich die Inhalte selbst nicht packen, lohnt sich ein Wechsel. Und bei einem Ja zur dritten Frage gilt: In den Zürcher Daten war eine andere Hochschule der übliche Weg für alle, die von vorn begannen.
Wenn du nicht sicher bist, was du stattdessen wollen würdest, hilft der kostenlose Fragebogen von whatshouldistudy. Er vergleicht deine Interessen mit 80 Studienfeldern und listet passende Studiengänge auf, bevor du irgendetwas entscheidest.
Die meisten Hochschulen in der Schweiz, Deutschland und Österreich haben eine Studienberatung, und ein Gespräch dort kostet nichts, auch vor einer Exmatrikulation nicht. Ein Abbruch ist häufig und selten das Ende eines Bildungswegs. Der nächste Schritt sieht oft anders aus, als du ihn dir zuerst vorgestellt hast.
Fächer in diesem Artikel
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Zum FragebogenQuellen
- DZHW press release, "Die Entwicklung der Studienabbruchquoten in Deutschland", 17.08.2022
- Kanton Zürich Bildungsdirektion, Bildungsplanung, "Studienverläufe: Hochschulplatz Zürich" (BFS LABB/EHA data)
- DZHW-Brief 05/2022, Anhang
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